Ein 24-Jähriger soll mit Mundschutzmasken Millionen an Umsatz gemacht haben, die Polizei warnt vor Fakeshops, die Hygieneprodukte anbieten, und aus Krankenhäusern werden flaschenweise Desinfektionsmittel geklaut: Wo die einen bei der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Deutschland die Angst packt, sehen andere ein lohnendes Geschäft. Während die gefragten Produkte in klassischen Läden oft ausverkauft sind, versuchen manche, auf Onlineplattformen wie Amazon und Ebay Kleinanzeigen damit Geld zu machen.
Wucherangebote bieten einfache Mundschutzmasken für das Vielfache der eigentlichen Preise an. Beispielsweise 300 Euro – Verhandlungsbasis – auf Ebay Kleinanzeigen für 40 Masken. Bei einem regulären Onlinehändler für Arbeitsschutzbedarf würden tausend der Masken weniger als 50 Euro kosten. Die Betonung liegt auf „würden“, denn dort sind sie schon längst nicht mehr lieferbar. Auf Amazon bieten Händer Desinfektionsmittel für 150 Euro pro Liter an – normalerweise erhältlich für etwa 10 Euro. Die Plattformen ärgert das.

Verkauf von Desinfektionsmitteln temporär verboten
Ebay Kleinanzeigen hat sich Ende Februar dazu entschlossen, Angebote im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus komplett zu löschen. Bei Artikeln wie Atemmasken werde im Einzelfall entschieden, sagt Ebay-Kleinanzeigen-Pressesprecher Pierre Du Bois im Gespräch mit netzpolitik.org. Werden hier überzogene Preise entdeckt oder von Nutzenden gemeldet, verschwinden diese Angebote. Anbieter könnten auch ganz gesperrt werden, wenn sie versuchen, die Regeln zu umgehen – etwa wenn sie nach der Löschung einer Anzeige die Produktbeschreibung leicht ändern oder Rechtschreibfehler einbauen. Desinfektionsmittel dürfen derzeit gar nicht mehr verkauft werden.
Dass man den Verkauf temporär beschränke, habe vor allem zwei Gründe, so Du Bois. „Auf der einen Seite hat es eine moralische Komponente, wenn Leute die Artikel horten und dann aufgrund der aktuellen Situation versilbern wollen.“ Auf der anderen Seite gehe es auch um das Betrugsrisiko. Die Bereitschaft steige, ein Produkt schnell zu kaufen, wenn es schnelle Verfügbarkeit verspricht.
Bei den Desinfektionsmitteln greifen mittlerweile automatische Filter, so der Pressesprecher. Die werden ständig erweitert, etwa um Herstellernamen, absichtliche Rechtschreibfehler oder sonstige Stichwörter. Bei den Atemschutzmasken entscheiden Mitarbeiter: „Hier kann ein überhöhter Preis ein Problem sein oder falsche Versprechungen. Wenn jemand einen Artikel bewirbt und schreibt ‚Schützt 100 % vor Corona’, dann löschen wir auch solche Anzeigen.“
Sekündlich neue Angebote
Zum ersten Mal richtig bewusst geworden sei das Problem am vergangenen Donnerstag, da hätte das Stichwort „Corona“ 7.000 Treffer ergeben und man habe angefangen, sich die Anzeigen näher anzuschauen und zu löschen, wenn sie nicht den Nutzungsbedingungen entsprechen. Am Freitag seien noch teilweise im Sekundentakt neue Angebote für Desinfektionsmittel eingegangen.
Eine vergleichbare Situation habe es bei Ebay Kleinanzeigen noch nie gegeben, so Du Bois. Zwar gebe es immer mal wieder Phasen, in denen man besonders aufmerksam auf bestimmte Anzeigen schaue – etwa bei extrem hochpreisigen Ticket-Weiterverkäufen. Aber so wie jetzt habe man noch nie eingreifen müssen, auch nicht beim SARS-Ausbruch vor einigen Jahren, sagt Du Bois. „Aber wenn wir das jetzt zulassen, befeuern wir, dass Bestände aufgekauft werden oder anderweitig wegkommen. Und das wollen wir nicht.“
Bei der Plattform des Mutterunternehmens Ebay selbst dürfen Desinfektionsmittel zwar noch angeboten werden, aber Ebay erinnert die Verkäufer an die Regeln, dass „Artikelbezeichnungen und Artikelbeschreibungen, die missbräuchlich Begriffe wie ‚Coronavirus’, ‚Covid-19’, ‚Virus’, ‚Epidemie’ im Zusammenhang mit gesundheitsbezogenen Angaben verwenden“, verboten seien. Ebenso seien überhöhte Preise und „Angebote, die von Naturkatastrophen und tragischen Ereignissen“ profitieren, nicht gestattet. Doch immer wieder gehen dort Desinfektionsmittel und Atemmasken, gemessen an gewöhnlichen Zeiten, für sehr hohe Preise über den virtuellen Ladentisch.
Amazon hat Zehntausende Angebote gesperrt
Auch Amazon reagiert. Auf Anfrage von netzpolitik.org schreibt eine Sprecherin des Unternehmens: „Wir bieten keinen Raum für Preistreiberei bei Amazon. Wir sind enttäuscht über unlautere Versuche, in einer globalen Gesundheitskrise die Preise für Produkte des Grundbedarfs künstlich zu erhöhen.“ Kürzlich seien Zehntausende Angebote gesperrt und entfernt worden. „Wir entfernen proaktiv Angebote, die gegen unsere Richtlinien verstoßen“, so die Sprecherin weiter. Demnach dürfen keine überteuerten Preise verlangt werden. Die Anzeige für ein 150-Euro-Desinfektionsmittel, auf das wir in unserer Anfrage verwiesen, war kurz darauf nicht mehr aufzufinden.

Das Geschäft mit der Angst vollständig unter Kontrolle zu bringen, dürfte jedoch kaum gelingen. Wucherer versuchen unterschiedliche Schreibweisen wie „Disinfektion“, andere Produktbeschreibungen wie „Staubschutz“ oder weichen gleich auf andere Plattformen aus. Die Geschäftemacher werden wohl erst aufhören, wenn niemand mehr auf ihre überteuerten Angebote eingeht. In den meisten Fällen reicht das regelmäßige Händewaschen mit Seife. Und die weit verbreitete Annahme, dass ein Mundschutz gesunde Personen wesentlich vor einer Ansteckung schützt, ist laut Robert-Koch-Institut nicht hinreichend belegt.
